Herzinfarkt Erste Hilfe beginnt mit dem Erkennen der Symptome, denn beim Infarkt entscheidet jede Minute. Der Herzinfarkt gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Das Tückische: Viele zögern zu lange, weil sie die Zeichen falsch deuten. Dabei entscheidet beim Infarkt jede Minute darüber, wie viel Herzmuskel gerettet werden kann. Dieser Artikel zeigt, wie du einen Herzinfarkt erkennst und Schritt für Schritt richtig handelst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Leitsymptom: starker, anhaltender Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, oft mit Ausstrahlung.
- Bei Verdacht sofort 112 rufen, Stichwort „Verdacht auf Herzinfarkt“.
- Oberkörper erhöht lagern, beruhigen, enge Kleidung öffnen, nicht allein lassen.
- Keine Medikamente durch Laien.
- Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung: sofort Herzdruckmassage und AED.
- Frauen, ältere Menschen und Diabetiker zeigen oft untypische Zeichen.
Was passiert bei einem Herzinfarkt?
Bei einem Herzinfarkt verschließt sich ein Herzkranzgefäß, meist durch ein Blutgerinnsel. Der dahinterliegende Teil des Herzmuskels wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und beginnt abzusterben. Je länger der Verschluss besteht, desto größer der bleibende Schaden. Genau deshalb ist der schnelle Notruf die wichtigste Maßnahme überhaupt.
Die typischen Warnzeichen
- Starke, anhaltende Schmerzen in der Brust, häufig hinter dem Brustbein, oft als Druck, Enge oder Brennen beschrieben.
- Ausstrahlung in den linken Arm, beide Arme, Schulter, Hals, Unterkiefer, Oberbauch oder Rücken.
- Atemnot.
- Starke Angst bis hin zum Vernichtungsgefühl.
- Kalter Schweiß, blasse, fahle Haut.
- Übelkeit, manchmal Erbrechen.
Entscheidend ist die Dauer: Anders als ein kurzer Stich halten die Beschwerden länger als einige Minuten an und vergehen nicht von selbst.
Untypische Symptome bei Frauen und Risikogruppen
Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern verläuft ein Infarkt oft ohne den klassischen Brustschmerz. Stattdessen treten Atemnot, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, ausgeprägte Erschöpfung oder Schwindel auf. Weil diese Zeichen leicht fehlgedeutet werden, werden Infarkte in diesen Gruppen häufiger zu spät erkannt.
Im Zweifel immer 112. Lieber einmal zu oft den Rettungsdienst rufen als einen Infarkt zu verschleppen. Niemand wird dir einen Fehlalarm vorwerfen, ein verschleppter Infarkt dagegen kann tödlich enden.
Erste Hilfe bei Herzinfarkt: Schritt für Schritt
- Notruf 112 sofort absetzen, klar sagen: Verdacht auf Herzinfarkt.
- Oberkörper erhöht lagern. Eine halb sitzende Position entlastet das Herz. Lass die Person die für sie bequemste Haltung einnehmen.
- Beruhigen und für Ruhe sorgen. Jede körperliche Anstrengung belastet das Herz zusätzlich, also nicht umhergehen lassen.
- Enge Kleidung öffnen, etwa Kragen oder Krawatte, damit die Atmung frei ist.
- Nicht allein lassen und Bewusstsein und Atmung ständig beobachten.
- Nichts zu essen oder zu trinken geben und keine Medikamente verabreichen. Das übernimmt der Rettungsdienst.
Wenn das Herz stehen bleibt
Ein Herzinfarkt kann jederzeit in einen Kreislaufstillstand übergehen. Wird die Person bewusstlos und atmet nicht mehr normal, beginnst du sofort mit der Wiederbelebung: 30 Mal drücken, 2 Mal beatmen, 5 bis 6 Zentimeter tief, 100 bis 120 Mal pro Minute. Ist ein AED erreichbar, setze ihn ein, das Gerät leitet dich an. Die Details findest du in der Anleitung zur Herzdruckmassage und zur AED-Nutzung. Atmet die bewusstlose Person normal, bringst du sie in die stabile Seitenlage.
Herzinfarkt oder Schlaganfall?
Beide Notfälle sind lebensbedrohlich und beide erfordern die 112, aber die Zeichen unterscheiden sich. Der Herzinfarkt zeigt sich an Brust und Kreislauf. Ein Schlaganfall verursacht plötzliche neurologische Ausfälle wie ein hängendes Gesicht, einen kraftlosen Arm oder eine gestörte Sprache. Wie du einen Schlaganfall erkennst und was der FAST-Test ist, liest du im Artikel zur Ersten Hilfe bei Schlaganfall.
Häufige Fragen zum Herzinfarkt
Woran erkenne ich einen Herzinfarkt?
Am häufigsten an einem starken, anhaltenden Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, oft mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Oberbauch, begleitet von Atemnot, kaltem Schweiß und Angst. Die Beschwerden halten länger als einige Minuten an. Bei Frauen und älteren Menschen können sie untypisch sein.
Was tue ich bei Verdacht auf Herzinfarkt?
Sofort 112 rufen, den Oberkörper erhöht lagern, die Person beruhigen, enge Kleidung öffnen und sie nicht allein lassen. Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung beginnst du sofort mit der Herzdruckmassage.
Soll ich bei einem Herzinfarkt Aspirin oder andere Medikamente geben?
Nein. Als Laie gibst du keine Medikamente. Die Entscheidung über Medikamente trifft der Rettungsdienst. Deine Aufgabe ist der schnelle Notruf, die richtige Lagerung und die Betreuung bis zum Eintreffen der Profis.
Wie unterscheide ich Herzinfarkt und Schlaganfall?
Der Herzinfarkt zeigt sich vor allem an Brustschmerz, Atemnot und Kreislaufzeichen. Der Schlaganfall verursacht plötzliche neurologische Ausfälle wie ein hängendes Gesicht, einen gelähmten Arm oder Sprachstörungen. Beide brauchen sofort die 112.
Fazit: Zeit ist Herzmuskel
Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Wer die Warnzeichen kennt, nicht zögert und sofort die 112 wählt, gibt dem Betroffenen die beste Chance. Die wenigen richtigen Handgriffe lassen sich schnell auffrischen, nach den aktuellen Leitlinien 2025 und in unter einer Stunde.
Weiterführende Artikel: Erste Hilfe bei Schlaganfall. Notruf 112 richtig absetzen. Herzdruckmassage Anleitung.
