Du willst deinen Führerschein machen und fragst dich, was es mit dem Erste-Hilfe-Kurs auf sich hat? Die gute Nachricht zuerst: Du machst ihn einmal – und er gilt für immer. Kein Ablaufdatum, keine Wiederholung, keine Ausnahme.
Die schlechte Nachricht: Es gibt ein paar Fallstricke, die Fahrschüler regelmäßig Zeit und Geld kosten. Dieser Artikel erklärt dir genau, was gesetzlich gefordert wird, was online möglich ist und was nicht, und wie du den Kurs am schnellsten hinter dich bringst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Pflicht für alle Führerscheinklassen – A, B, C, D, alles gleich
- Umfang: mindestens 9 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten (§ 19 FeV)
- Einmalig – der Nachweis gilt lebenslang, kein Ablaufdatum
- Muss vor der Führerscheinprüfung vorliegen
- Kurs muss Theorie und Praxis enthalten – reine Online-Kurse reichen für die Anmeldung nicht
- Alte LSMU-Bescheinigungen (vor 2016) sind seit 2019 nicht mehr gültig
Was sagt §19 FeV genau?
§ 19 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) ist knapp formuliert: Wer einen Führerschein beantragt, muss eine Schulung in Erster Hilfe nachweisen. Diese Schulung umfasst mindestens 9 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten – also 6 Stunden und 45 Minuten reine Unterrichtszeit, aufgeteilt auf Theorie und Praxis.
Die Schulung muss bei einer amtlich anerkannten Stelle absolviert werden. Das sind in der Regel Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, die Malteser oder der Arbeiter-Samariter-Bund – aber auch zugelassene private Anbieter.
Seit dem 1. April 2015 gilt für alle Führerscheinklassen derselbe Kurs. Es gibt keinen „kleinen“ oder „großen“ Erste-Hilfe-Kurs mehr. Egal ob du Klasse B (PKW), A (Motorrad), C (LKW) oder D (Bus) machst – die Anforderungen sind identisch.
Was passiert im Kurs?
Der Kurs ist in Theorie und Praxis aufgeteilt. Die meisten Anbieter gestalten ihn als Ganztag – du kommst morgens und gehst nachmittags mit deiner Bescheinigung.
Typische Inhalte:
- Notruf absetzen: Wann und wie rufst du den Rettungsdienst (112)?
- Absichern einer Unfallstelle: Warndreieck, Warnweste, erste Maßnahmen
- Stabile Seitenlage: Bewusstlose Personen richtig lagern
- Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW): Herzdruckmassage und Beatmung an der Übungspuppe
- AED-Einsatz: Umgang mit dem automatischen Defibrillator
- Wundversorgung: Blutungen stoppen, Druckverbände anlegen
- Schockbehandlung, Verbrennungen, Vergiftungen
Der Praxisanteil ist gesetzlich vorgeschrieben – du übst also wirklich mit deinen Händen, nicht nur mit dem Kopf. Das ist auch der Grund warum ein reiner Online-Kurs die Anforderungen nicht vollständig erfüllen kann.
Was kann ich online machen – und was nicht?
Hier herrscht viel Verwirrung, und die Antwort ist präziser als die meisten denken:
Den Theorie-Teil kannst du online vorbereiten. Ein Online-Kurs vermittelt dir alle theoretischen Inhalte – Notruf, Ablauf bei Unfällen, Grundlagen der Wiederbelebung – und du bekommst eine Teilnahmebescheinigung. Das ist eine sinnvolle Vorbereitung: Wer die Theorie schon kennt, lernt im Präsenzkurs schneller und sicherer.
Den vollständigen Nachweis für die Führerscheinanmeldung ersetzt ein Online-Kurs nicht. Dafür brauchst du zwingend den Präsenzkurs mit Praxisanteil bei einem amtlich anerkannten Anbieter.
Unser Online-Kurs ist genau für die Vorbereitung gemacht: Du lernst die Theorie in 45 Minuten, bekommst eine Teilnahmebescheinigung – und gehst deutlich entspannter in deinen Präsenzkurs.
Wann muss der Kurs gemacht werden?
Die Bescheinigung muss spätestens bei der Anmeldung zur Führerscheinprüfung vorliegen. Viele Fahrschulen verlangen sie aber schon früher – oft bereits zu Beginn der theoretischen Ausbildung. Am besten fragst du direkt bei deiner Fahrschule nach.
Tipp: Mach den Kurs früh. Kurse bei DRK, Johannitern und Co. sind in Stoßzeiten (Januar bis März) oft wochenlang ausgebucht. Wer kurz vor der Prüfung merkt, dass er noch keinen Kurs hat, hat ein Problem.
Achtung: Alte LSMU-Bescheinigung gilt nicht mehr
Bis 2016 gab es statt des heutigen Erste-Hilfe-Kurses den Kurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ (LSMU) – den sogenannten „kleinen“ Erste-Hilfe-Kurs. Wer diesen gemacht hat, muss aufpassen: Die LSMU-Bescheinigung wird seit 2019 nicht mehr akzeptiert.
Wenn du also eine alte Bescheinigung aus der Zeit vor 2016 hast, ist sie für die Führerscheinanmeldung wertlos. Du musst den aktuellen 9-UE-Kurs nachholen.
Kosten und Anbieter
Ein Erste-Hilfe-Kurs kostet je nach Anbieter und Region zwischen 25 und 50 Euro. DRK, Johanniter, Malteser und ASB liegen meist im unteren Bereich. Private Anbieter sind teils günstiger, teils teurer.
Worauf du bei der Anbieterwahl achten solltest:
- Ist der Anbieter amtlich anerkannt gemäß § 68 FeV?
- Umfasst der Kurs nachweislich 9 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten?
- Enthält er einen Praxisanteil mit Übungen an Puppen?
- Bekommst du eine offizielle Teilnahmebescheinigung?
Wenn ein Anbieter alle vier Punkte erfüllt, ist der Kurs für die Führerscheinanmeldung anerkannt.
Häufige Fragen zum Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein
Muss ich den Erste-Hilfe-Kurs vor oder nach der Fahrschule machen?
Du kannst ihn parallel zur Fahrschulausbildung machen, aber du musst die Bescheinigung spätestens bei der Prüfungsanmeldung vorlegen. Viele Fahrschulen verlangen sie bereits zu Beginn. Am sichersten ist es, den Kurs früh zu absolvieren.
Gilt der Kurs für alle Führerscheinklassen?
Ja. Seit April 2015 gibt es einen einheitlichen Kurs für alle Klassen – A, B, C, D und alle Unterklassen. Wer bereits einen Erste-Hilfe-Kurs nach aktuellem Standard gemacht hat und eine weitere Klasse hinzufügt, muss keinen neuen Kurs machen.
Wie lange ist der Nachweis gültig?
Lebenslang. Es gibt kein Ablaufdatum für den Führerschein-Nachweis. Eine Ausnahme gibt es nur für sehr alte Bescheinigungen aus der Zeit vor 2016 – die LSMU-Bescheinigung wird seit 2019 nicht mehr akzeptiert.
Zählt ein Online-Kurs für den Führerschein?
Ein reiner Online-Kurs reicht für die Führerscheinanmeldung nicht aus, weil der Praxisanteil fehlt. Er eignet sich aber hervorragend zur Vorbereitung auf den Präsenzkurs. Du lernst die Theorie vorab, bist entspannter im Kurs und vertiefst das Wissen besser.
Was passiert, wenn ich einen nicht anerkannten Kurs gemacht habe?
Die Führerscheinstelle akzeptiert die Bescheinigung nicht und du musst den Kurs wiederholen. Das kostet Zeit und Geld. Prüfe deshalb vorher, ob dein Anbieter gemäß § 68 FeV zugelassen ist.
Kann ich den Kurs im Ausland machen?
Das liegt im Ermessen der deutschen Führerscheinstelle. Grundsätzlich werden EU-Bescheinigungen oft akzeptiert, aber es gibt keine einheitliche Regelung. Sicherer ist ein Kurs bei einem deutschen, anerkannten Anbieter.
Fazit
Der Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein ist kein Bürokratie-Monster. Neun Unterrichtseinheiten, einmal absolviert, lebenslang gültig. Du brauchst einen Präsenzkurs bei einem anerkannten Anbieter – und wenn du dich vorher online vorbereitet hast, ist der Tag entspannt und du gehst mit echtem Wissen nach Hause.
Weiterführende Artikel: Wenn dein Erste-Hilfe-Schein abgelaufen ist, erkläre ich dir dort genau was das bedeutet und was du tun musst. Wer wissen will, wie lange ein Erste-Hilfe-Kurs dauert, findet alle Zeitangaben im Überblick. Alternativ zur Präsenz bietet sich der Online Erste-Hilfe-Kurs zur Vorbereitung an. Und wenn du bereits einen Kurs hattest und ihn nach zwei Jahren wieder auffrischen musst: alles dazu im Artikel zum Erste-Hilfe-Kurs auffrischen. Den genauen Wortlaut des Gesetzes erklärt der Artikel zu § 19 FeV. Was auf der Bescheinigung steht und was sie bedeutet: Erste-Hilfe-Bescheinigung erklärt.
